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Derzeit gibt es nicht die eine Mobbing Definition.
Der Begriff Mobbing leitet sich von “to mob” (bedrängen, anpöbeln, attackieren, angreifen) ab.
Von „normalen“ Konflikten und Streitereien unterscheidet sich Mobbing dadurch, dass es gezielt, systematisch und über einen längeren Zeitraum mit der Absicht betrieben wird, „auszugrenzen bzw. vom Arbeitsplatz zu vertreiben“.

Juristische Definition

Eine juristische Mobbing Definition wurde noch nicht normiert. Ein eigenes Antimobbinggesetz existiert daher nicht. Die Einführung eines eigenen Mobbingstraftatbestands sieht das österreichische Rechtssystem nicht vor. Jedoch hat sich in der Judikatur bereits eine Mobbing Definition etabliert.

Nach der Rechtsprechung des OGH liegt Mobbing vor, wenn folgende Tatbestandselemente erfüllt sind:

  1. Eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz.
  2. Die angegriffene Person ist in dieser Kommunikation unterlegen.
  3. Diese Person wird systematisch, oft und während längerer Zeit direkt oder indirekt angegriffen.
  4. Das Ziel der Angreifer ist es, diese Person aus dem Dienstverhältnis zu drängen.
  5. Die angegriffene Person empfindet dies als Diskriminierung.

Mobbing Definition in der Mobbingforschung

Mobbingforscher Leymann

„Der Begriff Mobbing beschreibt negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind (von einer oder mehreren anderen) und die sehr oft und über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer kennzeichnen.“ (Leymann, 1993.S.21)

Marie France Hirigoyen

„Unter seelischer Gewalt am Arbeitsplatz versteht man jedes verletzende Verhalten (Geste, Wort, Benehmen, Haltung …), das wiederholt und systematisch die Würde beziehungsweise die psychische oder physische Integrität einer Person angreift, dabei ihren Arbeitsplatz in Gefahr bringt oder das Arbeitsklima vergiftet.“
(Hirigoyen 2004, S. 20)

Mobbingbegriff Definitionen

Bossing

Gehen diese Angriffe vom Vorgesetzten in Richtung Mitarbeiter, so handelt es sich dabei um Bossing.

Staffing

Gehen diese Angriffe von Untergebenen in Richtung Vorgesetzten, so handelt es sich dabei um Staffing.

Mobbing

Gehen diese Angriffe von Mitarbeitern gleicher Rangordnung aus, so handelt es sich dabei um Mobbing.
Der Begriff Mobbing ist somit zweideutig. Einerseits stellt Mobbing den Überbegriff von Staffing, Mobbing und Bossing dar und bedeutet andererseits das Mobbing auf gleicher Ebene.

Bullying

Der Begriff „Bullying“ (engl. tyrannisieren) wird oft als Synonym für „Mobbing“ verwendet. Bullying steht für ein weniger subtiles Vorgehen als Mobbing. Eine zentrale Rolle spielen körperliche Gewalt oder deren Androhung, währenddessen Mobbing eher auf einer psychologischen Ebene betrieben wird. Einige deutschsprachige Autoren verwenden aus diesem Grund den Begriff „Bullying“ für Mobbing unter Kindern und Jugendlichen in der Schule in bewusster Abgrenzung zum Mobbingbegriff. Da ein Kräfteungleichgewicht (körperlich oder psychisch) besteht, fällt es dem/n betroffenen Schüler/n schwer sich zu wehren (Vgl. Spröber, Schlottke & Hauzinger, 2008, S. 6).

Was ist Mobbing nicht?

Nicht jeder Konflikt, nicht jede Intrige bzw. Informationsvorenthaltung ist bereits Mobbing. Überall, wo Menschen über längere Zeit zusammenarbeiten, gibt es Differenzen, Tuscheleien, Ärgernisse und Auseinandersetzungen.
Auch ein stark emotionalisierter Konflikt (Streit) ist nicht Mobbing. Alltägliche, häufig auch stark emotionalisierte Konflikte, sind eher normal und auch nicht besorgniserregend. In entwickelten Unternehmenskulturen werden solche Konflikte bearbeitet und durch klärende Gespräche gelöst.

Nicht als Mobbing anzusehen sind daher z. B

  • Einzelne Feindseligkeiten und Konkurrenzverhalten zwischen Gruppen (Abteilungen gegeneinander, Fraktionen im Betriebsrat, ArbeiterInnen gegen Angestellte etc.).
  • Ungerechte, sogar unsoziale Behandlung, die hart, aber nur kurzfristig zur Wirkung kommt (z. B. betriebsbedingte Kündigung, Beförderung anderer, arbeitsbedingte Kritik etc.).
  • Strafrechtliche Tatbestände wie z. B. Diebstahl durch ArbeitskollegInnen.

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