Letzte Aktualisierung am 2. Januar 2021 von Sportedition

Glücklich ist, wer vergißt, was doch nicht zu ändern ist…

In allzu schauriger Erinnerung waren der Wiener Bevölkerung zu dieser Zeit noch der Börsenkrach vom 9. Mai 1873 und das gigantische Defizit von 19 Millionen Gulden der Wiener Weltausstellung, die in demselben Jahr stattgefunden hatte. Viele Menschen mochten daher einer Lebenseinstellung, wie sie in Alfreds Trinklied im ersten Finale der Operette Die Fledermaus mit den Worten „Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist“ besungen wird — also sich weder um die Vergangenheit noch um die Zukunft zu kümmern, sondern ganz allein dem Augenblick zu leben – durchaus positive Aspekte abgewonnen haben.
Ähnlich beschreibt der spanische Schriftsteller Baltasar Gracián y Morales in seinem Oracolo manual schon im Jahr 1674, zweihundert Jahre früher, dieselbe Lebenseinstellung. Graciáns Werk dürfte dem Wiener Bildungsbürgertum nicht unbekannt gewesen sein, lag es doch seit 1862 in einer neuen Übertragung des deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer vor.
Die Polka Mazurka „Glücklich ist, wer vergisst!“ ist eines von sechs Tanzmusikarrangements nach Melodien der Operette Die Fledermaus. Das Erscheinen der Klavierausgabe wurde am 11. Oktober 1874 im Morgenblatt der „Tages-Presse“ mit dem Hinweis angekündigt, dass die Polka Mazurka „bereits von den Productionen der Capelle des Herrn Eduard Strauß bestens bekannt“ sei, mit anderen Worten, die erste Aufführung muss schon zu einem f rüheren Zeitpunkt stattgefunden haben, wohl in Wien im Sommer oder Herbst 1874. Text: Prof. Norbert Rubey

Das “vergessen können” liegt in den Genen!

Kurier, 17.08.2020

Körpereigener Schutzfaktor gegen psychische Traumata entdeckt

Die Studie wurde an Überlebenden von Bürgerkrieg und Völkermord durchgeführt.

Trraumatische Erlebnisse wie Unfall, Vergewaltigung oder Folter werden von manchen Menschen besser, von anderen schlechter verkraftet. Einige leiden noch Jahre und Jahrzehnte nach einem Ereignis an posttraumatischen Belastungsstörungen. Ein Gen spielt dabei eine Schlüsselrolle.

Zentral ist das Stresshormon Cortisol. Dies haben unter anderem Studien aus dem Forschungsteam von Dominique de Quervain von der Universität Basel gezeigt. Die Wissenschafter rückten nun die Gene in den Fokus, welche an der Signalübertragung von Cortisol beteiligt sind.

Sie bestimmten, wie stark diese Gene chemisch, durch sogenannte Methylgruppen am Erbgutmolekül DNA, reguliert werden. Vanja Vucojevic, einer der Erstautoren der Studie, untersuchte diese DNA-Methylierung bei zwei Gruppen von Trauma-Betroffenen, nämlich 463 Überlebenden des Bürgerkriegs in Uganda und 350 Überlebenden des Völkermords in Ruanda.

In beiden Gruppen hatten jene Personen, die eine stärkere Regulation des Gens NTRK2 aufwiesen, ein geringeres Risiko, an einer posttraumatischen Belastungsstörung zu erkranken. Der Schutzmechanismus stellte sich dabei nicht erst während der Schreckensereignisse ein, sondern war schon vor dem Trauma in den Menschen präsent, wie die Forscher zeigten.

Der Befund verliert etwas an Bedeutsamkeit, wenn man in Betracht zieht, dass das NTRK2-Gen allgemein bei der Gedächtnisbildung eine wichtige Rolle spielt. Tatsächlich hatten in der aktuellen Studie Personen mit einer stärkeren Regulation dieses Gens weniger traumatische Erinnerungen.

Ihnen fiel das Vergessen allgemein leichter, wie die Basler Wissenschafter eingestehen. “Die Ergebnisse legen nahe, dass eine vermehrte Regulation des NTRK2-Gens die Gedächtnisbildung vermindert. Dadurch graben sich schreckliche Erlebnisse weniger stark ins Gedächtnis ein und damit sinkt das Risiko, an einer posttraumatischen Belastungsstörung zu erkranken.”

Der entdeckte Mechanismus könnte helfen, neue Therapien zu entwickeln. “Diese könnten auch bei einer bereits bestehenden posttraumatischen Belastungsstörung nützlich sein, indem sie verhindern, dass die wiederkehrenden schrecklichen Erinnerungen das traumatische Gedächtnis weiter zementieren”, schreibt das Team.

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